… mein Platz auf der Tribüne und der eine Tag im November

Es stand bereits 0:5 aus unserer Sicht, das Spiel war gelaufen und die Saison für uns im Halbfinale beendet. Es war allerdings doch ein kleines Gefühle von Stolz, das ich in diesen Sekunden empfunden habe. Viel Schmerz, ganz viel Schmerz und doch ein klein bisschen Stolz in diesem Moment.

Ich habe noch oben auf die Anzeigetafel geschaut und wusste, mein nächster Wechsel wird mein letzter sein. Mein letzter nach zwölf Jahren in Blau Weiß Rot. Es hieß also noch 1x Brust raus und Kopf nach oben.
Irgendwie lief alles viel zu schnell für mich in diesem Moment. Ich wollte es Aufsaugen, am liebsten die Zeit anhalten oder noch besser, einfach auf zurückspulen drücken. Ich würde heute alles noch einmal genauso tun!

Ein paar Jungs sind nach der Schlusssirene, als wir uns an unserem Tor getroffen haben, direkt zu mir gekommen. Sie wussten natürlich Bescheid. Haben mich in den Arm genommen. Da haben mich meine Gefühle überwältigt und die Tränen sind geflossen. Auch beim Verabschieden, als mein guter Freund Yannic Seidenberg mich in den Arm genommen hat und fragte: „tut es weh?“ konnte ich gar nicht antworten. Aber als er mir in die Augen geschaut hat, musste ich dies auch nicht mehr tun. Er wusste bescheid.

Nach meinem Interview bei der Telekom Sport ging es in die Kabine. Der Gang schien ewig und wollte nicht enden. Alle Jungs waren enttäuscht und niedergeschlagen, auf Grund des Ausgangs der Serie. Wir alle wollten mehr, hatten ein anderes Ziel.

Ich wollte mich vor den Jungs zusammenreißen. Die Enttäuschung und Wut über das Ausscheiden, vor allem das letzte Spiel, war groß.

Es dauerte keine zwei Minuten, dann stand David Wolf vor mir und hat mich in den Arm genommen. Seine Worte haben mich so berührt und bewegt das ich an seiner Schulter Rotz und Wasser geheult habe. Ich bewundere es, wenn Leute so ihre Gefühle zum Ausdruck bringen können und sie in Worte packen, wie David es in diesem Moment gemacht hat.

Und als dann auch noch mein langjähriger Freund und Weggefährten Marcus Kink zu mir kam, waren mir meine Gefühle und Tränen völlig egal. Wenn dir Mannschaftskollegen und Freunde sagen, dass sie unglaublich stolz sind, mit einem gespielt zu haben und das sie auch in Zukunft immer für einen da sind, fühlt sich das unglaublich gut an!

Auf der Heimfahrt haben wir dann 2-3 Bier zusammen getrunken und viele Geschichten von der gerade zu Ende gegangen Saison erzählt.
Mein Trikot habe ich direkt nach dem Spiel eingepackt. Es ging ohne den Umweg Waschmaschine direkt mit zu mir nach Hause. Dieses letzte, der vergangenen 12, ist ein ganz besonderes für mich.

Gast in Reihe 8

Ich hatte diese Saison öfter mal das bittere Los, überzähliger Stürmer zu sein. Solche Momente tun als Sportler besonders weh. Ich bin fit, habe keine Verletzung und bin trotzdem zum Zuschauen verdammt.

Meine Tochter meinte immer freudestrahlend zu mir: „Super Papa, dann sitzt du heute beim Spiel wieder neben mir.“
In diesen Momenten zurück zu lachen war nie einfach.
Mein Sohn war immer total sauer. Er wollte es nicht wahr haben.
Die spielfreie Zeit im Februar, die drei Spiele danach und die ersten beiden Viertelfinale Spiele waren für mich eine wirklich schwere Zeit. Aber ich kannte nur die Flucht nach vorne. Aufgeben, negative Stimmung machen oder sogar schlecht drauf sein, kam für mich überhaupt nicht in Frage.
Arbeiten und noch härter trainieren, das war alles was ich jeden Tag ganz groß auf meinen Fahne geschrieben hatte.

Als ich dann zu Spiel #3 gegen Ingolstadt rein kam, war ich mehr als bereit.

Mein Meeting im November

Ich hatte die Adler bereits zu Saisonbeginn informiert, dass ich gerne früh in der Saison ein Meeting haben möchte, wie die weiteren Planung über die Saison 2017/18 hinaus aussehen.

Als ich im November einen Anruf bekam, dass ich bitte ins Büro kommen soll, habe ich mich sofort auf den Weg gemacht. Noch kurz herumgescherzt, ob sie mir wohl noch einen Zwei- oder Dreijahresvertrag geben, Autotüre zu und los.
Zehn Minuten später wusste ich dann, dass die Reise nach der aktuellen Saison vorbei ist. Diese Message tat weh. Das musste ich erstmal schlucken.
Aber nach ein paar Nächten war ich dankbar darüber, so früh informiert worden zu sein. Klare Verhältnisse bedeutet auch immer, dass man planen kann.
Irgendwo geht es immer weiter. Und wenn eine Türe sich schließt, öffnen sich zwei neue!

Ich freue mich jetzt auf meine neuen Aufgaben, tolle Herausforderungen und auf alles, was demnächst so auf mich zukommt.

Der Profisport zeigt einem immer wieder, wie viele tolle Momente das Leben für einen bereit hält. Dass die Zeit begrenzt ist und man das beste daraus machen soll.

Ich bin super dankbar für die Zeit, die ich in Mannheim hatte.
Ich werde sie nicht im Kopf behalten, sondern immer im Herzen tragen!

Ab jetzt geht es für mich in Augsburg weiter! Ich freue mich sehr darauf.
Die Farben sind andere, aber das Spiel ist immer noch das selbe.
Ich werde bereit sein für die Spielzeit 2018/19.

Euer Ulle
#ulle47

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22 comments

Antworten

Hallo Ulle
Deine Worte sprechen aus dem Herzen
Leider haben sie dich gehen lassen
Schade das man nie erfährt warum
Danke für alles
Eine Verletzungsfreie zeit in Augsburg
Und bleibe Mannheim treu

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Wenn Deine Kinder bei uns auf der Straße spielen, wenn Du oder Nadine in unserer Straße vorfahren, so haben wir das gute Gefühl, dass wir jetzt schon seit Jahren ein ganz großen Menschen und Sportler, wenn auch nur mit Hallo, kennen. Es ist uns ein großes Anliegen Dir für Dein ADLER-Engagement zu danken und Dir in Augsburg sportlichen Erfolg zu wünschen.
PS: Dein Blog ist ergreifend! Wolfgang + Simone (37)

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Wenn Deine Kinder bei uns auf der Straße spielen, wenn Du oder Nadine in unserer Straße vorfahren, so haben wir das gute Gefühl, dass wir jetzt schon seit Jahren ein ganz großen Menschen und Sportler, wenn auch nur mit Hallo, kennen. Es ist uns ein großes Anliegen Dir für Dein ADLER-Engagement zu danken und Dir in Augsburg sportlichen Erfolg zu wünschen.
PS: Dein Blog ist ergreifend! Wolfgang + Simone (37)

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Hat mir sehr gefallen, zu lesen was Dich bewegt. Schade finde ich, dass ein so verdienter Spieler seine Karriere nicht in Mannheim beenden darf. Jörg Etz, Marcus Kuhl und Harry Kreis waren in den letzten Spielzeiten auch nicht mehr Top, waren aber emotional sehr wichtig für Team und Fans. Das gehört m.E. auch zu einem Club der sich Tradition und Stolz auf die Fahne schreibt.
Dir lieber Ulle alles Gute in A – und ich wünsche Dir eine hervorragende Saison 2018/19.

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Ulle du bist ein hervorragender Eishockey Spieler . Das hast du in der Deutschen Nationalmannschaft und Mannheim gezeigt um so mehr freue ich mich Riesig darauf dich in Augsburg Spielen zusehen . Du bist und bleibst ein großer im Eishockey .

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Ich hab die Entscheidung auch nicht so 100% Verstanden. Hätte gern gesehen wie du zumindest noch dein Karriere hier beendest. Klar warst du nicht mehr in Topform, aber das was du an Leistung in den Playoffs gezeigt hast – den Einsatz, den Kampfgeist und den Drang zum Zweikampf – hat mich durchaus begeistert. Ich wünsch dir alles Gute in Augsburg und freue mich darauf dich bei uns auf dem Eis willkommen zu heißen..

Trägst zwar jetzt das komische Grün, aber für mich bleibste bis zum Ende ein Blau-Weiß-Roter..

Dir und deiner Familie alle Gute 🙂

Grüße,
Mike

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